Während wir unsere Kleidung
und Schlafsäcke in wasserdichte Säcke packen, wirft unser Leiter
ein: "Und noch eines, nehmt eure Armbanduhren ab, denn draußen auf
dem Fluß ist Zeit nicht mehr wichtig."
Wir setzen unsere Kanus am Camp
ins Wasser und unsere weitere Reise führt durch wohl eine der schönsten
Landschaften auf dieser Erde, in das Richtersveld, bis zum Kilometer 74
bei den Aussenkehr Weingärten, wo wir wieder an Land gehen.
Wir fühlen uns sehr schnell
eins mit dem Fluß und während des Paddelns verstreichen die
Stunden wie im Flug.
Heute ist ein warmer, fauler Tag
im Richtersveld und die Stimmung ist entspannt. Das einzige Geräusch,
das die Stille unterbricht, ist das leise Plätschern unserer sanft
durchs Wasser gleitenden Paddel. Während wir so über das Wasser
gleiten, fliegt ein Reiher majestätisch über uns hinweg. Doch
plötzlich wird diese Idylle durch das Donnern einer nahenden Stromschnelle
gestört. Und schon fährt unser Mohawk Kanu durch eine Rollarcoaster
Stromschnelle und stößt dabei an ein paar unsichtbar unter der
aufgewirbelten Wasseroberfläche liegende Felsbrocken. Das Wasser spritzt
rundherum hoch, aber außer ein paar aufregender Momente bleiben wir
und unser Boot unversehrt.
Wir können wieder die vorbeiziehende
Landschaft genießen. Große, weite Glasflächen, beeindruckende
Felsformationen und schroffe Bergketten stehen in starkem Kontrast zum
tiefblauen Himmel. Nun ist es aber Zeit, einmal schwimmen zu gehen. Ich
gleite langsam ins Wasser und schwimme entspannt auf dem Rücken liegend
durch den Fluß.
Nachdem wir uns mit einem köstlichen
Mittagessen gestärkt haben, hören wir schon das Rauschen der
vor uns liegenden Dead Man's Stromschnelle. Wir fahren die Stromschnelle
in einem sicheren Winkel an, dennoch stößt eines unserer Kanus
mit der Spitze an einen Felsen, dreht sich mit der Öffnung nach unten
und füllt sich schnell mit Wasser. Mehr ist aber nicht passiert.
Für unsere erste Nacht ziehen
wir die Kanus auf eine Sandbank und schlagen dort unser Lager auf. Die
Sonne beginnt hinter einem Hügel zu versinken und der Orange River
macht seinem Namen alle Ehre: Die fedrigen Wolken über uns werden
in ein orange-rosa Licht getaucht und ein Kanufahrer paddelt langsam vorbei.
Ein Gemälde könnte diesen Moment nicht schöner darstellen.
Stundenlanges Paddeln macht natürlich
auch hungrig. Deshalb essen wir jeden Tag wie die Könige - die mitgeführten
Lebensmittel machen es möglich.
Am nächsten Morgen steht uns
die größte Herausforderung unserer Tour bevor, die Sjambok Stromschnelle.
Als wir in die Strömung kommen hilft nur noch heftiges Paddlen, das
ist Action! Kleine Wellen brechen sich am Bug und unser Kanu füllt
sich ein wenig mit Wasser. Wir umfahren erfolgreich Felsen aber in letzter
Minute verliert mein Partner doch noch das Gleichgewicht, fällt aus
dem Kanu und ich kann nur noch hilflos lachen und zuschauen wie er pitschnaß
im Wasser liegt.
Den Nachmittag verbringen wir mit
Wasserschlachten und Sonne tanken. Nur einige Tage in der freien Natur
und das umtriebige, moderne Stadtleben scheint ziemlich unwichtig zu sein.
Ohne meine Uhr am Handgelenk ist die Zeit in den letzten vier Tagen sogar
absolut bedeutungslos für mich geworden. Nach einem letzten großartigen
Mahl, das aus mit Knoblauch gespicktem Lammfleisch über Kohle gegrillt
besteht, mit Süßkartoffeln und Butternutgemüse als Beilagen,
lege ich mich gesättigt in der Wiese in meinen Schlafsack. In so einer
perfekten, tintenschwarzen und sternenübersäten Nacht braucht
man kein Zelt.
Es ist totenstill und der Fluß
spiegelglatt. Nur ein glegentlich auftauchender Fisch durchbricht die Wasseroberfläche.
Der Nachthimmel und die imposanten Berge spiegeln sich glasklar im Wasser
des Orange und ich liege wach und beobachte zufrieden wie sich die Sterne
im Fluß spiegeln.
Diesen Bericht stellte uns freundlicherweise
Felix
Unite River Adventures zur Verfügung. |